Überregulierung

Spielbanken-Insolvenzen und mangelnde Kanalisierung beim Online-Glücksspiel. Die Überregulierung kann Deutschland auf lange Sicht Milliarden kosten! (Bild von Steve Buissinne auf Pixabay)

Das Thema Gesetzgebung und Compliance stellt für die Gaming-Branche im Jahr 2021 den größten Umbruch dar. Eine Regulierung ist grundsätzlich immer zu befürworten, zumal es um den Schutz der Spieler geht, allerdings entstehen für seriöse Live Online Casinos dadurch erhebliche Herausforderungen. Der Übergang zu zeitlich befristeten Auflagen in Deutschland zwingt die Betreiber dazu, sich den Regeln schnellstens  anzupassen oder zu riskieren, nicht konform zu handeln. Der Schritt zur Lizenzierung ist durchaus erfreulich, erfordert allerdings ein klares Verständnis dafür, wie das System funktioniert, und muss kontinuierlich umgesetzt werden. Das diktatorische Glücksspielregime in Deutschland ist zwar in Ansätzen regulierungswillig, dennoch droht ein gesetzlich verankerter Flickenteppich.

Was wird mit deutschen Live Casinos?

Wenn wir das nur wüssten! Es geht auch in den Niederlanden und Österreich nur schleppend voran. Immer wieder haben einzelne Entscheidungsträger in Regierungskreisen wahrscheinlich aufgrund ihrer langjährigen spielerischen Erfahrungen in Live Casinos an den Tischen mit Roulette, Blackjack und Baccarat Dealern Dinge erkannt, die ein Verbot rechtfertigen. Dennoch besteht die Hoffnung, dass die Regulierung in Deutschland und den Niederlanden auf eine Weise erfolgt, die tatsächlich eine signifikante Kanalisierung erreicht und keinen riesigen Schwarzmarkt hinterlässt.

Anhand vieler Expertenmeinungen rund um den Globus lässt sich eins erkennen: Durch Überregulierung verlieren interessierte Spieler das Interesse an regulierten Angeboten vor Ort. Im Internet bessere Konditionen zu finden ist einfach und stellt somit kein Problem dar. Der Spielerschutz ist hierbei zweitrangig, zumal viele internationale Online-Glücksspielangebote ebenfalls lizenziert sind, nur nicht nach den teilweise unverständlich rigorosen deutschen Glücksspielgesetzen. Wir gehen trotzdem davon aus, dass durch einige interessante Innovationen durch die Integration von neuen Zahlungsmethoden und Social-Media-Kanälen eine Kanalisierung möglich ist. Zum Beispiel arbeiten bereits Facebook und WhatsApp an neuen Möglichkeiten, die für Glücksspielanbieter und deren Kunden sehr interessant sein könnten.

Überregulierung ist gewollt

Wir halten eine solide Regulierung für 100 % notwendig. Andererseits kann eine Überregulierung natürlich alles verlangsamen. Große Unternehmen wie Playtech oder Evolution sind in Dutzenden Märkten aktiv und versuchen mit neuen Technologien neue Regionen zu erschließen. Das führt aber auch dazu, dass durch die kontinuierlichen Marktveränderungen immer wieder Anpassungen marktabhängig unterschiedlich notwendig sind. Das könnte durchaus in Zukunft die Innovationsrate beeinträchtigen. Gerade deutsche Spieler bekommen das zu spüren. Durch nicht wirklich plausible Gründe wurden Glücksspielanbieter dazu angehalten, ihre Live Casinos abzuschalten. Automatenspiele und Pokern im virtuellen Raum ist erlaubt, Roulette und Blackjack hingegen nicht. Der Kunde gibt sich bei dem anhaltenden Trend der Live Casino Branche jedoch nicht mit Spielautomaten zufrieden.

Regulierung und Lizenzierung sind zwar eine positive Kraft, diese können die Branche aber auch bremsen, wenn sie nicht richtig umgesetzt werden. Wenn die Regeln und Anforderungen zu streng sind, besteht außerdem die Gefahr, dass die Spieler die Sicherheit eines lizenzierten Betreibers zugunsten eines nicht lizenzierten Online Live Casinos verlassen, weil dieser ein umfassenderes Spielerlebnis bieten kann. Genau dieses Szenario haben sich die deutschen Landesparlamente geschaffen. Es scheint fast schon so, als ob sich die meisten auf dem Erfolg ausruhen, das Automatenspiel in einen gesetzlichen Rahmen gepresst zu haben. Damit sind die Entscheider auch der starken Glücksspiellobby in vielen Bundesländern entgegengekommen, die durch Konzessionsinhaber terrestrischer Spielbanken gewissermaßen eine vermutlich nicht gänzlich neutrale Sicht an den Tag legen.

Zugelassene Online Casinos haben es immer schwerer

Es ist zwar nicht unbedingt vorteilhaft, pessimistisch zu sein, aber im Moment weht ein ziemlich rauer regulatorischer Wind in einigen Ländern. Dabei fehlt immer noch das Verständnis in einigen Märkten, was den Umgang mit etwaigen Maßnahmen betrifft. Das neu aufgelegte Regelwerk in Ländern wie Deutschland, Spanien und Großbritannien wird die Marktteilnehmer viel Geld kosten und ebenso den Fiskus. Selbst Österreich plant ein neues Regulierungssystem mit strengeren Vorgaben, angelehnt an das deutsche Glücksspielgesetz. Wir haben allerdings Hoffnung, dass zumindest Live Casinos in Österreich von Anfang an mit zugelassen werden. Anzumerken ist jedoch, dass nur wenige Unternehmen der Gaming-Branche die Auswirkungen des sich verändernden regulatorischen Umfelds auf die Rentabilität berücksichtigt haben.

Es deutet vieles darauf hin, dass sich deutsche Spieler auch in anderen Ländern nach besseren Angeboten umschauen, die es zweifelsohne im Internet gibt. Die fehlende Regulierung für Live Dealer Casinos in Deutschland, keine progressiven Jackpots, monatliche Limits von 1.000 Euro, das alles sind durchaus Faktoren, die eine größere Anzahl von Kunden abwandern lassen könnte. Dazu kommen neue Regeln für terrestrische Anbieter, wo schon jetzt ein Insolvenzmarkt droht aufgrund der Corona-Auswirkungen. Brechen in diesem Bereich Arbeitsplätze weg und Spielgäste suchen sich andere Möglichkeiten, womöglich sogar des Öfteren grenzübergreifend, dann ist mit erheblichen Verlusten zu rechnen. Durch die anhaltende deutsche Überregulierung im Internet wird der virtuelle Markt dies nicht kompensieren können.

Ein ausbalanciertes Angebot an Spielen und Gratifikationen ist das Mindeste, um in Deutschland und anderen Ländern die Spieler vor Ort auf den staatlich regulierten Casinoseiten zu binden. Bei einer zu starken Überregulierung gehen die positiven Ansätze womöglich verloren, wofür am Ende regulierte Betreiber sowie auch der Staat bezahlen.

Die Balance zwischen Regulierung und Attraktivität muss stimmen

Grundsätzlich ist die Glücksspielregulierung in Deutschland als positiv zu bewerten, allerdings sind einzelne Punkte definitiv fragwürdig hinsichtlich der zu erwartenden Abwanderung. Riesige Spieleinsätze sind ohnehin selten, doch lassen sich Menschen nun mal nicht gern bevormunden. Etablierte Anbieter müssen allerdings den gesetzlichen Vorgaben Folge leisten, was deren Kunden nicht immer begrüßen werden. Dies ist offensichtlich kontraintuitiv und deshalb ist es so wichtig, dass die gesetzliche Regulierung ausgewogen ist.

Ein gutes Beispiel sind Gamification-Modelle von größeren Anbietern, die in mehreren Märkten tätig sind. Für diese stellen die Regeln in jedem regulierten Markt eine große Herausforderung dar. Es wird immer riskanter, eigene Loyalitäts- und VIP-Programme zu betreiben, was dazu führt, dass einige Betreiber die Programme einfach aus ihren Casinos entfernen werden. Für den Spieler bedeutet dies ein eingeschränkteres Bonus Angebot, was wiederum bedeuten könnte, dass dieser zu einer nicht lizenzierten attraktiveren Glücksspielseite ausweicht.

Unser Fazit

Es ist letztlich schwierig zu sagen, ob die Gaming-Branche 2021 in einer stärkeren oder schwächeren Position als 2020 ist. Ein Großteil der Glücksspielindustrie hat in Bezug auf die Rentabilität im Jahr 2020 stark gelitten, wird aber die Lehren daraus ziehen und den Fokus auf den Aufbau eines nachhaltigen Wachstums für die Zukunft ausrichten. Was allerdings ein wenig untergegangen ist, das sind die bevorstehenden oder bereits laufenden regulatorischen Änderungen in vielen Ländern.

Dadurch entstehen neue Herausforderungen, die Unternehmen bewältigen müssen, die sich regulierten Märkten verschrieben haben. Sicher ist es auch ein Ansatz, mit dem Übergang zu mehr Unterhaltungsprodukten für den Massenmarkt der regulierten Branche eine stärkere Position zu verleihen und Anbieter in Märkten, wo sie ohne Lizenz agieren, davon auszuschließen.

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