Gewerkschaft

Die Malta Gewerkschaft erhebt Einspruch gegen die plötzlichen Entlassungen bei NetEnt aufgrund der Übernahme durch Evolution! (Bild von PTLlab auf Pixabay)

Wie unsere Redaktion bereits in der ersten Weihnachtswoche 2020 berichtete will Evolution hunderte Mitarbeiter bei NetEnt entlassen. Der Prozess wurde bereits vor der offiziellen Übernahme angeschoben und erhitzt derzeit die Gemüter auf Malta, wo gut 300 Arbeitsplätze betroffen sind. Die General Workers Union für Malta hat zudem am 7.12.2020 gegenüber NetEnt und Evolution einen arbeitsrechtlichen Streik angekündigt und vorgebracht, dass die Unternehmen es versäumt hätten, die größte Gewerkschaft des Landes als Arbeitnehmervertreter über die geplanten Entlassungen zu informieren.

Blockade gegenüber Gewerkschaft hat Konsequenzen

Die maltesische Gewerkschaft erklärte, dass sich die Interessenvertretung im Zusammenhang mit der bereits rollenden Entlassungswelle vorbehalte, weitere Arbeitskampfmaßnahmen anzuwenden. In diesem Kontext könnte es zu größeren Streiks in den noch betriebenen Studios von NetEnt kommen, wobei Evolution außen vor ist, da trotz der offensichtlichen gemeinsamen Absprache noch keine unternehmerische Zusammenarbeit besteht.

Die General Workers Union Malta weist darauf hin, dass empfindliche Maßnahmen angesichts der vonseiten der Unternehmen des Glücksspielsektors bekundeten und offenkundigen mangelnden Bereitschaft zu kooperieren notwendig sind. Schließlich haben sich beide Gaming-Partner ausdrücklich und offenkundig nicht bereit erklärt, die GWU als Interessenvertreter der Arbeitnehmer zu konsultieren, um eine bevorstehende Massenentlassung im iGaming-Sektor zu vermeiden.

Dem Vernehmen nach planen die Gaming-Unternehmen angeblich die Entlassung von mehr als 300 Beschäftigten, ohne dass Anstrengungen unternommen werden Kündigungen zu vermeiden. Zudem prangert die Arbeitnehmerseite an, dass sich die börsennotierten Konzerne gewerkschaftsfeindlicher Taktiken bedienen, um die Entlassungen schnell durchzusetzen.

Kosteneinsparungen sind Teil der Evolution NetEnt Übernahme

Hintergrund des Konflikts ist die Einleitung des Verfahrens zur Integration von NetEnt durch Evolution in die Unternehmensgruppe. Bisher gehört ausschließlich Ezugi zum Verbund mit Net Entertainment kommt der erste Spielautomatenhersteller hinzu, der aber auch ein erfolgreiches Live Casino betreibt. Mittlerweile gehen Branchenkenner davon aus, dass von Anfang der Plan bestand, dass NetEnt Live Casino vom Netz zu nehmen, da Evolution und Ezugi Live Dealer Spiele die wegbrechenden Angebote problemlos kompensieren können. So kann die vorgesehene Kosteneinsparung von gut 30 Millionen Euro beim neuen Mitglied der Evolution Gruppe – NetEnt umgesetzt werden. In der Folge müssen einige hundert Mitarbeiter entlassen werden, da die Live Casino Studios schließen.

Wer übernimmt die NetEnt Live Casinos

Im Anschluss an den 19,60 Mrd. SEK Deal, was ungefähr 1,91 Milliarden Euro entspricht, kommen nun die Details zum Vorschein, die eine Übernahme in dieser Größenordnung mit sich bringen. Als Erstes trifft es meistens die Mitarbeiter, wenn der Rotstift angesetzt wird. Allerdings besteht Hoffnung, dass die maltesische Gewerkschaft einen Großteil der Betroffenen bei anderen Glücksspielanbietern unterbringen kann.

Es gibt zwar noch keine offiziellen Kaufinteressenten, es ist dennoch absehbar, dass ein anderer Live Casino Betreiber das Know-how und weitreichende Lizenzen von NetEnt Live übernimmt. Demzufolge würden sicher auch viele entlassene Mitarbeiter wieder eine Anstellung unter neuer Marke finden. Es gibt einige Kandidaten, die es sich leisten können und den notwendigen Background vorzuweisen haben, um mit der Weiterführung der NetEnt Live Casinos, unter neuer Marke, eine Top-Platzierung unter den Live Dealer Anbietern einzunehmen.

In Europa sind es in erster Linie Pragmatic Play und Playtech, die im Jahr 2020 bereits neue Marktanteile für sich gewinnen konnten, die in Frage kommen. Aber auch ein Player aus Asien wie HoGaming, SA Gaming oder Vivo Gaming könnte sich mit Investoren im Hintergrund den großen Einstieg ins europäische Live Casino Geschäft erkaufen.

NetEnt Entlassungen sind nicht vorschriftsmäßig gehandhabt worden

Die Kündigungen aus der ersten Dezemberwoche 2020 sind laut Angaben der Gewerkschaft nicht vorschriftsmäßig durchgeführt worden. Hierzu erklärte die Gewerkschaft in Malta relativ eindeutig, dass bei NetEnt und Evolution zwei größere Beschwerden eingegangen seien. Zunächst haben die beiden Unternehmen die Gewerkschaft nicht als offizielle Arbeitnehmervertretung anerkannt, was nicht konform mit dem maltesischen Recht einhergeht. Dies verstoße gegen die Vorschriften des EU-Landes zum Schutz der Beschäftigung, die besagen, dass „der Arbeitgeber, der beabsichtigt, eine kollektive Entlassung durchzuführen, verpflichtet ist, die Arbeitnehmervertreter schriftlich darüber zu informieren“.

Des Weiteren teilte die Gewerkschaft mit, dass NetEnt und Evolution die genauen Details der Kündigungen nicht schriftlich mitgeteilt haben. Nach den geltenden Bestimmungen sind die Arbeitgeber verpflichtet, den Arbeitnehmervertretern Informationen über den Grund der Entlassungen, die geplante Anzahl, das Datum, an dem sie stattfinden werden, die Auswahlkriterien und die Modalitäten der Entlassungsabfindung mitzuteilen.

Nach den gesetzlichen Vorschriften in Malta müssen Arbeitgeber, die gegen die Regelung verstoßen, mit einer Geldstrafe von mindestens 1.164,69 Euro für jeden einzelnen entlassen Arbeitnehmer rechnen. Außerdem erklärte die Gewerkschaft, dass NetEnt und Evolution auch gegen die Bestimmungen zum Schutz der Beschäftigung (Transfer of Business (Protection of Employment) Regulations) verstoßen haben, die fusionsbedingte Entlassungen betreffen, ohne jedoch anzugeben, gegen welche Klauseln verstoßen wurde. Unter dieser Maßgabe könnten noch größere Bußgelder angesetzt werden, die auch weitreichende Folgen im Rahmen der Lizenzierung durch die Malta Gaming Authority mit sich bringen können.

Kein Rettungsanker für NetEnt Mitarbeiter in Sicht

Mit einem hohen Bußgeld ist in jedem Fall zu rechnen. Nur wenige Tage nachdem in der vergangenen Woche von NetEnt offiziell per Pressemitteilung angekündigt wurde, nach der Fusion am 16. Dezember die B-Aktien von der Stockholmer Börse Nasdaq zurückziehen, erfolgte die Mitteilung der Entlassung an die ersten Mitarbeiter. Darüber beschwerten sich die Beschäftigten selbstverständlich, da sie nicht in der Lage waren, sich mit den unterstützenden Maßnahmen der Regierung auseinanderzusetzen, die Betroffene bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz unterstützt.

Da die Entlassungen unmittelbar im Kontext mit der Schließung des Live Casino Angebots von NetEnt und der Rationalisierung im Bereich der Spieleentwicklung stehen, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Allerdings scheint es aussichtslos, die entlassenden Mitarbeiter zu retten, wenn dann nur durch neue Anstellungen bei anderen Branchenvertretern. Fakt ist, Evolution hat letzte Woche zusammen mit der Ankündigung des Ausscheidens von NetEnt Geschäftsführerin Therese Hillman angekündigt, zeitnah die ersten Schritte zur Kosteneinsparung umzusetzen und damit nicht lange gefackelt.

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