Lockdown

University of Bristol Studie zum Spielverhalten im Lockdown: Der klassische Spieler ist im Lockdown sechsmal so häufig online am Glücksspiel beteiligt wie vor der Pandemie! (Bild von sweetlouise auf Pixabay)

Laut einer neuen Studie sind Gewohnheitsspieler mehr als sechsmal so häufig online am Glücksspiel beteiligt wie vor der Corona-Pandemie. Die von der University of Bristol geleitete Studie zum britischen Glücksspielmarkt wurde am 17. Mai im Journal of Gambling Studies veröffentlicht. Eine der interessantesten Erkenntnisse aus der Befragung ist, dass vor allem männliche Spieler während des Lockdowns in Großbritannien häufiger online spielen, verglichen mit ihren zuvor in einer Studie angegebenen Spielgewohnheiten. Insgesamt spielen Männer und Frauen während des Lockdowns zwar weniger häufig, was zum Teil auf die Schließung der Wettbüros und Spielhallen zurückzuführen ist, doch einige Formen des Glücksspiels haben dennoch enorm zugelegt.

Studie bestätigt: Spieler zocken deutlich mehr online im Lockdown

Die Auswertung der aktuellen Glücksspielstudie belegt zum Beispiel, dass die Nachfrage nach Online-Glücksspielen mit den begehrten Spielautomaten an vorderster Front einschließlich Poker, Bingo und Live Dealer Angeboten um das Sechsfache unter den Personen, die regelmäßig an Glücksspielen teilnehmen, zugenommen hat. Bei den Befragten, die nur gelegentlich spielen, wurde festgestellt, dass diese im Schnitt um mehr als das Doppelte am Online-Glücksspiel teilnehmen, als es vor den Corona bedingten Schließungen von Spielstätten der Fall war. Ein weiteres interessantes Ergebnis belegt, dass vor allem auch Personen mit hoher Wahrscheinlichkeit im Lockdown zu den Echtgeldspielen gefunden haben, die bereits vor der Pandemie mit finanziellen Problemen zu kämpfen hatten.

Der leitende Professor Alan Emond von der University of Bristol’s Medical School erklärte: „Diese Studie bietet einzigartige Echtzeit-Einblicke, wie sich die Einstellungen und das Spielverhalten der Menschen während der Schließung verändert haben, als alle zu Hause waren und an den allermeisten sozialen Aktivitäten nicht teilnehmen konnten. Die Ergebnisse zeigen, dass, obwohl viele Formen des Glücksspiels eingeschränkt waren, eine Minderheit regelmäßiger Glücksspieler ihre Aktivitäten beim Glücksspiel und Wetten im Internet deutlich erhöhte. Wie bei so vielen Auswirkungen der Pandemie wurden Ungleichheiten verschärft und besonders gefährdete Gruppen waren stärker betroffen.“

Authentische Studie aufbauend auf Langzeitergebnisse

Im Rahmen der Vergleichsstudie wurden während des ersten Lockdowns im Jahr 2020 zwei Online-Fragebögen verwendet, die dieselbe Gruppe von Erwachsenen im Durchschnittsalter von 28 Jahren beantwortet hat. Jenen Probanden haben interessanterweise bereits vor dem Ausbruch der Pandemie an einer vergleichbaren Umfrage zum Glücksspiel im Zuge der renommierten Studie „Children of the 90s“ teilgenommen, diese ist auch bekannt als „Avon Longitudinal Study of Parents and Children (ALSPAC)“.

Der Kontext ist im Grunde genommen im Wesentlichen derselbe, was den Vergleich zwischen dem Spielverhalten in einer bisher noch nie da gewesenen Lockdown-Phase und dem normalen Alltag gegenüberstellt. Mehr als 2.600 Erwachsene wurden befragt und die Ergebnisse der Studie haben hierbei auch offengelegt, dass während des Lockdowns Männer dreimal häufiger spielten als Frauen. Das bedeutet, dass die Herren der Schöpfung mehr als einmal pro Woche zocken.

Damit verbunden ist zudem ein ausgeprägter Alkoholkonsum, der mit mehr als drei halben Liter Bier pro Woche definiert ist. Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen ist dieses Konsumverhalten stark mit regelmäßigem Glücksspiel verbunden. Diese Tendenzen sind in der Realität wahrscheinlich noch viel größer, wie es die beteiligten Studienleiter erklären, da die Mehrheit mit 70 Prozent der Befragten in den Umfragen während des Lockdowns Frauen waren. Das weibliche Spielverhalten ist in der Breite nicht so stark ausgeprägt und erst recht nicht im Zusammenspiel mit Alkohol, wie das bei den Männern der Fall ist.

Professor Emond, ein Experte für öffentliche Gesundheit, erklärte: „Die starke Verbindung zwischen Komasaufen und regelmäßigem Glücksspiel ist besonders besorgniserregend, da beides süchtig machende Verhaltensweisen sind, die ernsthafte gesundheitliche und soziale Folgen haben können. Mit der breiteren Verfügbarkeit von Glücksspielen über verschiedene Online-Kanäle könnten gefährdete Gruppen in einen Teufelskreis geraten. Ein Public-Health-Ansatz ist notwendig, um die Schäden des Glücksspiels zu minimieren.“

Online-Kanalisierung ist ein Problem

Die Analyse baut auf mehreren Daten auf, darunter eine YouGov Covid-19-Tracker-Studie, die herausgefunden hat, dass regelmäßige Spielgäste in terrestrischen Einrichtungen während der Pandemie-Schließungen vermehrt auf neue Online-Optionen wie Live Casinos zurückgreifen. Daten der Gambling Commission (UKGC), die von den größten Glücksspielanbietern in Großbritannien stammen, belegen ebenfalls, dass die Umsätze während des Lockdowns bei Online-Glücksspielen gestiegen sind, vor allem im Bereich des eSports, der dramatisch an Popularität gewonnen hat, als zur selben Zeit Sportevents, auf die traditionell gewettet wird, ausgesetzt wurden. Frühere Untersuchungen im Journal of Public Policy & Marketing, die von der University of Bristol geleitet wurden, ergaben, dass sich vor allem die junge Generation einschließlich Kinder besonders für eSports-Werbeinhalten in sozialen Medien interessieren, die auf Wettangebote abzielen.

Online-Werbeexpertin und Co-Autorin der Studie Agnes Nairn, Professorin für Marketing an der School of Management der University of Bristol, erklärte: „Die Ergebnisse dieser Studie und die Trends, über die allgemein berichtet wird, sind durchaus beunruhigend. Da sich die Spielgewohnheiten zunehmend ins Internet verlagern, können gefährdete Gruppen wie Kinder und Erwachsene, die viel trinken, leichter in diese Kanäle gelockt werden. Die zunehmende Verbreitung von Home-Office stellt ebenfalls eine wichtige Überlegung für künftige politische Entscheidungen dar, da die Versuchung, online zu spielen, durch geschickte Werbung verstärkt wird, immer vorhanden ist. Auch Kinder fallen dieser Werbung, vor allem für esports, in den sozialen Medien zum Opfer und könnten schon in jungen Jahren in entsprechende Verhaltensmuster verwickelt werden. Wir brauchen eine strengere Regulierung in diesem wachsenden Bereich, um unwissende Verbraucher zu schützen.“

Alison Clare, Research, Information and Knowledge Director bei GambleAware, ergänzt: „Wir wissen, dass Glücksspiel ein Teil des täglichen Lebens von Kindern, Jugendlichen und gefährdeten Erwachsenen ist und diese Studie wirft ein weiteres Licht auf die Auswirkungen von Covid-19 und Lockdown auf die Spielgewohnheiten junger Menschen. GambleAware setzt sich dafür ein, dass alle, die von problematischem Spielverhalten betroffen sind, Zugang zu den notwendigen Informationen und Beratungen haben. Alle Organisationen, einschließlich der nationalen Gesundheitsdienste und Wohlfahrtsverbände, müssen zusammenarbeiten, um die Stigmatisierung zu reduzieren und das Bewusstsein für die Hilfe und Unterstützung zu erhöhen, die über den National Gambling Treatment Service verfügbar ist.“

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