William Hill

Wer erhält den Zuschlag für William Hill Europa? (Bild von cityam.com)

Die Schlacht um das britische und europäische Geschäft von William Hill ging diese Woche in die entscheidende Endphase. Erstmals wurden die führenden Bewerber aufgefordert, ihr bestes und letztes Gebot für den traditionsreichen Buchmacher und Online Casino Anbieter abzugeben. Dabei prognostizierten im Rahmen der Ankündigung des Verkaufs des 1934 gegründeten Unternehmens durch den neuen Eigner Caesars Entertainment Anfang des Jahres 2021, dass der neue Eigentümer zwischen 1,2 und 1,5 Mrd. Pfund erzielen könnte. Die britische Zeitung The Times berichtete am Mittwoch bereits darüber, dass den neuesten Meldungen aus der Branche zufolge die endgültigen Gebote bis zu 2 Milliarden Pfund betragen könnten.

William Hill mit Caesars zum US-Wettking

Die Übernahme durch Caesars, wo zu das legendäre Hotel und Casino Caesars Palace in Las Vegas gehört, bedeutet für William Hill nach einer schwierigen Zeit während der Pandemie eine bedeutende Expansion über den Atlantik. Inmitten der Krise kann der angeschlagene Riese sich wieder aufrappeln, obwohl zuletzt im August 2020 angekündigt wurde, 119 der 1.500 britischen Wettbüros und AGCs zu schließen, da die Viruswelle die Umsätze gedrückt hat. Für Caesars Entertainment war das die passende Gelegenheit sich in das Online Casino Geschäft und Online-Sportwetten einzukaufen.

William Hill verfügt in beiden Bereichen über große Erfahrung und gemeinsam soll nun die starke terrestrische Basis in den USA mit Online-Glücksspiel und Sportwetten perspektivisch marktführend ausgerichtet werden. Damit ergänzt der Konzern aus Las Vegas absolut hochwertig das derzeitige Angebot durch ein neues Mitglied innerhalb der Firmengruppe und kann so schnell auf dem expandierenden Online-Markt der USA agieren.

William Hill – wer schnappt sind den Branchenriesen?

Der Deal zwischen William Hill und Caesars hat sich ungewöhnlich hingezogen, wobei die Gespräche zwischen beiden Parteien recht zügig eine Übereinkunft hervorbringen konnten. Letztlich gaben die Kartellbehörden erst 2021 grünes Licht für die Übernahme. Erst im April hatte das US-amerikanische Casino-Unternehmen Caesars Entertainment, Inc. William Hill für 2,9 Milliarden Pfund übernommen. Das britische Glücksspielunternehmen und sein neuer Eigentümer hatten schon Jahre zuvor eine auf die USA ausgerichtete Partnerschaft für Sportwetten geschlossen, um vom schnellen Wachstum des dortigen Wettmarktes zu profitieren. Basierend auf dem Erfolg ist überhaupt erst der Gedanke entstanden den britischen Traditionsbuchmacher zu amerikanisieren.

Caesars hat hierbei von Anfang klargestellt, dass nur an den US-Aktivitäten von William Hill Interesse besteht und dass es versuchen wird, die britischen und internationalen Anteile zu veräußern, sobald die milliardenschwere Übernahme des britischen Betreibers abgeschlossen ist. Der Verkauf wird von der Deutschen Bank beaufsichtigt. Zum Verkaufsvolumen gehören die rund 1.400 Wettshops von William Hill im Vereinigten Königreich sowie das Online-Geschäft im Vereinigten Königreich und in mehreren regulierten europäischen Märkten mit Marken wie Mr Green Casino.

Seit Monaten ist bekannt, dass mehrere Branchenvertreter Interessen zeigen an der Übernahme, am Ende haben wohl nur drei Bieter den finanziellen Background für so einen großen Deal. Infolge des kürzlichen Rückzugs von Advent International konzentriert sich das Rennen um William Hill Europa vermutlich auf drei interessierte Bieter: Apollo Global Management, Tipico, das von CVC unterstützt wird sowie die 888 Holdings.

Favoriten im Bieterwettstreit

Es hat sich eine interessante Konstellation unter den William Hill Bietern ergeben und Caesars Entertainment darf sich freuen, denn das rege Interessen fungiert wie beim Cashback Blackjack als eine Art Rückzahlung. Am Ende wird der US-Konzern deutlich weniger als 1 Mrd. Pfund für das Geschäft bezahlt haben, da die Anteile in Europa wahrscheinlich über eine halbe Milliarde US-Dollar mehr in die Kasse spülen als zuerst angenommen. Wobei nach Ansicht von mehreren Analysten Apollo Global der Spitzenreiter im Bieterkrieg ist. Das Unternehmen hatte bereits im vergangenen Sommer versucht, William Hill zu kaufen, doch Caesars stieg in das Rennen ein und wurde schließlich als bevorzugter Käufer ausgewählt.

Hintergrund war hierbei die Drohung, dass die Vereinbarungen in den USA bei einer Apollo Übernahme zwischen William Hill und Caesars aufgelöst werden. Damit wäre das Geschäftsmodell für Apollo nicht mehr rentabel gewesen beziehungsweise hätte mit neuen Partnern erst einmal wieder mühsam aufgebaut werden müssen. Somit hat Caesars den Zuschlag erhalten, obwohl Apollo ein lukrativeres Angebot hinterlegt hatte. Unter deutschen Spielern bestens bekannt ist tipico, das sich mehrheitlich im Besitz von CVC befindet und einer der größten Glücksspielbetreiber in Deutschland ist. Das Unternehmen hegt auch Ambitionen, deutsche Live Casino Lizenzen in den Bundesländern zu erwerben, sobald die möglich ist. Als Konzessionsinhaber von Wettlizenzen mit einem bundesweiten Filialnetz ist die Basis zumindest da.

Nachrichten über das CVC-Interesse durch tipico an William Hill tauchten erstmals im Juli auf. Es sei darauf hingewiesen, dass CVC einst Eigentümer des britischen Buchmachers und Casino Anbieters war. Das Private-Equity-Unternehmen kaufte William Hill 1999 zusammen mit Cinven für 825 Millionen Pfund. Vier Jahre später trennten sie sich von ihren Anteilen an dem Glücksspielunternehmen, nachdem sie es erfolgreich in London an die Börse gebracht hatten. Anfang 2016 erwarb CVC eine Mehrheitsbeteiligung an tipico.

Bahnt sich eine Zerschlagung an?

Eine äußerst interessante Konstellation steckt hinter der Offerte von 888 Holdings. Hier an hatte zuletzt noch der gut vernetzte und erfahrene neue Playtech Chef Brian Mattingley, der als Non-Executive Chairman von 888 zum Isle of Man Konzern gewechselt ist. Die Marken der 888er Firmenfamilie sind alle auf Live Casino, Online Spielhalle und Sportwetten im Internet ausgelegt, es gibt kein stationäres Geschäft. Es ist auch nicht denkbar, dass nach Corona und einem ohnehin rückläufigen stationären Geschäft eine Milliardensumme in Wettbüros gesteckt wird. Auf dem Markt fehlt 888 dafür schlechtweg die Lobby in England, das Publikum online ist anders gestrickt.

Daher besteht Grund zu Annahme, dass 888 Holdings nur die digitalen Aktivitäten von William Hill behalten wird, falls es den Zuschlag geben sollte. Nach Ansicht von Branchenexperten könnte in diesem Fall Betfred, ein weiterer großer britischer Buchmacher mit großer Tradition und starker Präsenz auf dem britischen Markt als Käufer für William Hill Wettshops in Frage kommen. Im Übrigen hat sich bisher keine der an dem laufenden Ausschreibungsverfahren beteiligten Parteien zu dieser Angelegenheit geäußert. Auch der Zeitpunkt, zu dem Caesars Entertainment den erfolgreichen Kandidaten bekannt geben wird, ist noch unbekannt.

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